Von anderen Sportarten lernen …

Zur Zeit läuft die Europameisterschaft im Schwimmen und ich schaue mir begeistert die Finale im Turmspringen an. Die Sportler zeigen faszinierende Leistungen im Einzel wie in der Mannschaft. Das Finale besteht aus mehreren Runden und es bleibt bis zum Schluss spannend: setzen sich Sportler beständig von Runde zu Runde durch; zeichnet sich ein Sportler schon als klarer Sieger ab oder kann sich doch ein Konkurrent nach vorne schieben; fällt ein Sportler aufgrund eines fehlerhaften Sprungs zurück? Meistens bleibt das Finale bis zum Ende spannend. So musste die Favouritin Tania Cagnotto beim letzten Sprung im 3m Finale doch noch Ihre sicher geglaube dritte Goldmedaille abgeben. In Summe ist das Finale sehr kurzweilig, obwohl es mehrere Stunden andauert. Auch die Reaktionen der Sportler zwischen den Durchgängen und bei der Wertung tragen hier zur Kurzweile bei.

Was aber hat Turmspringen mit Karate zu tun ?

Ich finde, dass wir im Karate vom Turmspringen lernen können: die Wettkampf-Regeln sind nicht nur attraktiv für Zuschauer und Medien, sondern – wie ich finde – auch fairer für den Sportler. Ich sehe folgende Punkte als interessant

  1. Das Finale besteht aus mehreren Runden
  2. Die Wertungen bestehen aus 2 Komponenten: Ausführung und Schwierigkeit
  3. Die Wertung ist besser abgestuft

Ein Finale mit mehreren Runden erlaubt, dass sie Sportler sich mehrmals den Finalgegnern stellen müssen. Eine einzelne Finalkata reicht nicht mehr aus, es müssten dann verschiedene Katas gezeigt werden. Abhängig von der Anzahl der Runden wäre das dann nicht nur immer dieselben Finalkatas Gojushiho-Sho, Gojushiho-Sho, und Unsu. Zwar zeigen die Athlethen bereits heute diverse Katas in den Vorrunden, aber im Finale werden dann aber doch nur sehr, sehr wenige Katas gezeigt werden. Das langweilt den Zuschauer, und macht das Finale wenig interessant.

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Hier kommt der zweite Aspekt ins Spiel. Wenn eine Vielzahl von Katas gezeigt werden, müssen diese untereinander vergleichbar werden. Lange Katas vs. kurze Katas, risiko-behaftete Katas mit Sprüngen (zB. Unsu, Kanku-Sho), Drehungen (zB. Jiin) und Ständen auf einem Bein (zB. Gankaku) vs. sichere Katas, schwierige Katas vs. einfachere Katas. Wie beim Sprüngen würde es einen Schwierigkeitsfaktor geben, mit dem die Wertung der Kampfrichter verrechnet wird. Die Katas werden so wieder miteinander vergleichbar. Eine Unsu hätte einen Schwierigsgrad von beispielsweise “6″, eine Sochin einen Schwierigsgrad von “4″. Ein Gremium von Experten definieren die Schwierigkeitsgrade im Vorfeld, damit Sportler diese dann bei der Wahl der Katas berücksichtigen können.

Und das führt nun zum dritten Aspekt. Wenn es mehrere Runden gibt und man akzeptiert, dass verschiedene Katas auch unterschiedliche Schwirigkeitsgrade besitzen, reicht ein einfaches ja / nein, bzw. “rot” und “blau” nicht mehr aus. Die Wertung muss besser abgestuft werden. In vielen vergleichbaren Sportarten (Kunstturnen, Turmspringen, rhythmische Sportgymnastik, etc.) gibt es ein Punktesystem. Dieses wurde auch früher im Karate eingesetzt, aber man hat dies auch diversen Gründen für ein Flaggensystem abgeschafft. In meinen Augen eine sehr schlechte Entwicklung, da die Auslosung der Teilnehmer – trotz Trostrunde – sehr entscheidend wurde.

Natürlich hat dieses System auch Nachteile. Ein Finale würde zwangsläufig viel länger andauern. Ich meine jedoch, dass das Finale kurzweilig gestaltet werden kann, wie wir am Beispiel Turmspringen gesehen haben. Mit dem Einzug von elektronischen Medien kann dem Zuschauer das aktuelle Ranking sehr transparent gemacht werden, er nimmt unmittelbar am Geschehen teil. Ein Faktor, der leider immer bestehen bleibt, ist die subjektive Bewertung der Leistung. Leistung im Karate kann eben nicht gemessen oder gewogen werden, es sind immer Menschen, die die Leistung von Sportlern bewerten. Das war immer so, und wird auf absehbare Zeit auch so bleiben.

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Die Vorteile sehe ich übrigens nicht nur in der Kata, auch im Kumite könnte man sich Änderungen vorstellen. Wie in anderen Zweikampf-Sportarten – sei es Boxen oder Ringen – gibt es mehrere Runden und nicht nur eine Runde wie im Kumite. Man könnte sich so zum Beispiel ein Modus “Best of Three” vorstellen, bei dem ein Finalkampf aus zwei bzw. drei Runden besteht. Anfordernder für den Sportler, und gleichzeitig spannender für das Publikum. Solche Modi gibt es zu hauf: Grand Slam im Tennis, Playoffs im Eishockey, Basketball, Volleyball, etc. (übrigens wird als einer der Vorteile des Best-Of Modus Zeitersparnis genannt: Wenn die beiden Spieler sich in ihrer Spielstärke drastisch unterscheiden, müssen sie nicht alle Sätze spielen – zum Beispiel beim Best-of-Three-Modus nur zwei anstelle drei.). Sicher hat das WKF Kumitesystem Vorteile zum Shobu-Ippon, bei dem oft bereits eine einzelne Technik über Sieg und Niederlage entscheidet. Aber auch hier könnte man über eine Weiterentwicklung nachdenken.

Die Vertreter des traditionellen Karate mögen jetzt aufzeigen, das das traditionelle Karate auf die eine, vernichtende Technik abzielt – insbesondere im Shotokan Karate. Da wir hier aber von medien-attraktiven Sport sprechen, möchte ich diese Diskussion hier nicht führen. Das ist ein Thema für ein anderen Blogpost ….

Was denkt ihr über solche Regeln? Machen Sie Sinn oder nicht? Nutzt die Kommentarfunktion, um Eure Meinung hierzu zu sagen.

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