Was ist Karate – oder: Warum ich Karate betreibe

Wenn immer Leute erfahren, daß mein Hobby Karate ist, wird mir die Frage gestellt: Wie weit sind Sie denn schon? Wieviele Ziegelsteine können Sie denn schon zerschlagen? Darauf habe ich eine einfache Antwort: Bisher hat mich noch kein Ziegelstein angegriffen!

Vielleicht hatten auch Sie dieses Bild vor Augen, als Sie das Wort Karate hörten. Ich möchte ihnen zeigen, dass Karate etwas ganz anderes ist. Also: was ist Karate?

Karate ist eine Kampfkunst. Eine Kampfsportart zur Selbstverteidigung, .d.h. es werden Angriffs- und Abwehrtechniken zur eigenen Verteidigung erlernt. Dabei ist das Ziel, Techniken mit einer jahrhunderte-alten Tradition zu erlernen. Dies stellt ein sehr hohes Ziel dar. Denn hinter den einzelnen Techniken steht nicht nur eine sportliche Leistung, sondern auch eine alte Philosophie, die gelernt werden muß. Die Techniken allein mögen nämlich durchaus für einen Beobachter oft nicht eindeutig in ihrem Sinn oder sogar sinnlos erscheinen. Erst durch die dahinterstehende Anwendung bzw. Philosophie erhalten sie ihren Sinn. Hierin unterscheiden sich die verschiedenen Kapfsportarten. Hinter den asiatischen Kampfsportarten steht eine traditionelle Philosophie, ganz im Gegensatz zu amerikanischen und modernen Formen des Kampfsports.

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Genau genommen sprechen wir hier nicht von Karate, sondern von Karate-Do. Do bedeutet vom Japanischen übersetzt: Weg. “Der Weg ist das Ziel” stellt hier die entscheidende Aussage dar. Und es ist eine langer, vielleicht endloser Weg zum Ziel, der Perfektion. Dies wird an einer kurzen Geschicht deutlich: Ein Schüler fragte einst seinen Großmeister: Wie lange muß ich trainieren bis ich eine Kampfkunst beherrsche? Darauf antwortet der Großmeister: 10 Jahre. Und wie lange muß ich trainieren, wenn ich täglich trainiere? Darauf die Antwort: 20 Jahre lang. Und wenn ich täglich mehrere male trainiere, wie lange wird es dann dauern? Darauf der Großmeister: Dann wirst du es nie erreichen.

Wenn man einen Blick auf das Leben der Zen-Mönche wirft, wird dies besonders deutlich. Die Erleuchtung wird nicht durch das Warten auf das Ziel erreicht, sondern durch das Beschreiten des richtigen Weges.

Damit ist Karate mehr als eine Kampftechnik. Es ist die Schulung von Körper und Geist, eingebunden in meditativ- philosophische Lehren Ostasiens.
Dies stellt wohl die entscheidenste Besonderheit dieser Sportart gegenüber anderen Sportarten dar. Weiterhin zeichnet sich diese Sportart deutlich von anderen ab durch die Möglichkeit, sie auch in hohem Alter noch ausüben zu können.

Sicher werden sie davon ausgehen, dass Karate eine Sportart ist, in der viele Verletzungen und Unfälle auftreten. Ganz im Gegensatz zu dieser vermuteten Annahme stellt Karate eine Sportart dar, die sich gerade durch eine geringe Zahl von Verletzungen und Unfälle im normalen Trainingsbetrieb auszeichnet. Durch ein sehr strenges Regelwerk, in dem jeglicher Körperkontakt verboten ist und sofort geahndet wird, stellt Karate eine ganz friedliche Sportart dar.

Jetzt werden sie sich allerdings noch fragen: Bringt mit das erlernen dieses Techniken, die so harmlos sein sollen, überhaupt etwas für meine Selbstverteidigung?

Auf der einen Seite stellt Karate durch das Erlernen ganz strikter Reaktionsabläufe, von Angriff und Verteidigung, nicht unbedingt die effektivste Form der Selbstverteidigung für eine Anwendung auf der Straße dar. Auf der anderen Seite ergibt sich durch die Schulung von Kraft, Ausdauer, richtiger Atmung und Konzentration auf die eigenen Fähigkeiten, den Körper und seine Reaktionsmöglichkeiten, mit Sicherheit eine Verbesserung der Verteidigungschance. Das Reaktionsvermögen wird sich sichtbar verbessern, was auch zu mehr Selbstsicherheit führt. Es findet eine Schulung der eigenen Persönlichkeit statt. Durch das ständige Arbeiten an der eigenen Person baut sich ein Bewußtsein über das Selbst auf. In manchen Fällen kann diese Stärkung des Selbstbewußtseins gerade für Frauen eine effektive Form der Selbstverteidigung darstellen.

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